Candide Nr. 7 — 10/2013 — Begegnung

Anne Kockelkorn, Axel Sowa, Bruno Reichlin, Jörn Janssen
Zürich, 1971.
Ein Gespräch über Wohnungsfragen, Hochschulintrigen und einen Meister aus Italien

Die Hochschulintrige um die Berufung Aldo Rossis und die Mediendebatte um Jörn Janssens experimentelles Seminar sind nicht nur eine entscheidende Episode für die Weichenstellung der Hochschulpolitik an der ETH Zürich zu Beginn der 1970er-Jahre. Der Eklat steht auch für einen Leitbildwandel der europäischen Architekturdebatte vom Gesellschafts- zum Kulturprojekt. Im Laufe dieses Paradigmenwechsels zielte die Hochschulleitung darauf ab, die Kernkompetenz der architektonischen Disziplin wieder auf den Entwurf zu konzentrieren und – mittels entsprechender Deutungen von Aldo Rossis Autonomiebegriff – die gesellschaftliche Relevanz des architektonischen Projekts explizit von politischen Fragen zu lösen. Vierzig Jahre später trafen sich zwei der damaligen Protagonisten zu einem Gespräch in Paris. Jörn Janssen und Bruno Reichlin, damals Assistent von Aldo Rossi, diskutierten über die Hintergründe des Eklats, erinnerten sich an die Reformerwartungen, den Realismus und die Desillusion der post-1968er-Zeit und erläuterten die politische Motivation und theoretische Grundlage ihres damaligen Handelns. Das Gespräch zeigt die Berührungspunkte zwischen den gemeinhin als unvereinbar geltenden Haltungen von empirischer Gesellschaftskritik und architektonischer Autonomie.

Candide Nr. 7, 10/2013

Seiten 113–139

Göhnersiedlung Volketswil, 1972
Göhnersiedlung Volketswil, 1972
Copyright: Bildarchiv ETH Zürich.

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