Candide Nr. 3 — 12/2010 — Begegnung

Oliver Schetter
„Wieso haben wir ein Fenster in unserer Wand?“
Die Herstellung von Wissen in der vernakulären Architektur Mosambiks

Im Lauf der postkolonialen Entwicklung Mosambiks hat sich die Schere zwischen dem für ein funktionierendes modernes Staats- und Gesellschaftswesen nötigen allgemeinen und technischen Wissen weit geöffnet. Dies beeinflusst nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch die Anwendbarkeit von spezifischem Fachwissen – wie dem Wissen der Architektur. Da die Arbeitsmittel von Architekten im Hinblick auf das Management von Ressourcen nicht den lokalen kulturellen, bei der Raumorganisation greifenden Verhaltensmustern entsprechen, müssen sich Architekten mit Prozessen befassen, die scheinbar im Widerspruch zu den Grundlagen ihres Berufs stehen. Am Beispiel der vernakulären, postkolonialen Architektur Mosambiks beschäftigt sich der Autor mit einem gesellschaftlichen Entwicklungsprozess, bei dem sich formelle und informelle Produktionsweisen gegenseitig beeinflussen. Daraus ergibt sich nicht nur eine Fülle unterschiedlicher formaler Lösungen, sondern auch eine Form der Wissensherstellung, die zu einer neu gestalteten Annäherung zwischen Allgemeinwissen und Fachwissen führt.

Candide Nr. 3, 12/2010

Seiten 105–136

Rohbau eines Wohnhauses, Mosambik.
Rohbau eines Wohnhauses, Mosambik.
Foto: Oliver Schetter

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