Candide Nr. 3 — 12/2010 — Projekt

Ela Kaçel
Hiltonculuk und die Folgen.
Die Dialektik des Intellektualismus in der Türkei nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Verbreitung des Internationalen Stils in der Türkei der 1950er Jahre wird oft als unumgängliche Folge der sogenannten Amerikanisierung der Moderne interpretiert. Ein näherer Blick auf die Bedingungen von Berufspraxis und Wissensproduktion in der Architektur zeigt dagegen, dass die Aneignung der Moderne nicht unproblematisch war. Mit Bezug auf die wiederholte Imitation von Istanbuls Hilton Hotel, einem der ersten modernistischen Bauten der Türkei, mokierte sich der Kritiker Şevki Vanlı damals mit dem Begriff „Hiltonculuk“ (Hiltonismus) über eine architektonische Ideologie, die unkritisch von der Mehrheit der Architekten übernommen wurde. Die Autorin spricht dagegen von einem „Alltagsverstand des Modernismus“, um im Affirmativen die gemeinsamen Werte türkischer Architekten zu beschreiben. Bezugnehmend auf Antonio Gramscis Intellektuellenkritik und Karl Mannheims Wissenssoziologie, stellt Kaçel Architekten nicht als kreative, autonome Personen dar, sondern als Intellektuelle, deren Praktiken in Bezug zu den sozialen Beziehungen, in die sie eingebettet sind, analysiert werden müssen.

Candide Nr. 3, 12/2010

Seiten 9-36

Das Istanbul Hilton auf dem Titel der Wochenzeitschrift Hayat, 1959.
Das Istanbul Hilton auf dem Titel der Wochenzeitschrift Hayat, 1959.
Foto: Suavi Sonar