Candide Nr. 4 — 07/2011 — Editorial

Axel Sowa, Susanne Schindler
Editorial.
Candide Nr. 4

Es ist der Gunst des Zufalls geschuldet, dass alle fünf Beiträge dieser Ausgabe auf unterschiedliche Weise die Ordnungen des Wissens thematisieren. Ihre Autoren versäumen es nicht, sich kritisch mit den Grenzen dieser Ordnungen auseinanderzusetzen. Michael Guggenheim unterzieht die Literatur zum Thema Umnutzung von Bauten einer genauen Analyse und stellt fest, dass die in der Architektur bereitstehenden typologischen Kategorien nicht geeignet sind, um die dynamischen Prozesse des Nutzungswandels sinnvoll abzubilden. Urs Füssler und Jörg Leeser schlagen vor, den Typusbegriffs um eine zeitliche Dimension zu erweitern. Der Begriff des Dramatyps hilft ihnen, den vielschichtigen Wuppertaler Baubestand zu beobachten und weiter zu entwickeln. Irénée Scalbert erinnert uns an die List des Bricoleurs, dessen erfinderisch-wildes Denken weniger durch typologische Leitbilder, als vielmehr durch den Umgang mit knappen Ressourcen stimuliert wird. Liam Ross untersucht den Einfluss schottischer Bauvorschriften auf die Typisierung von Fenstern und entdeckt ungeahnte Freiheiten zwischen den Zeilen der Normen. Joachim Geils und Reinhard Doubrawas Parabel vom assyrischen Kaiser und seinem Architekten lehrt uns, dass das Arbeitsverhältnis von Bauherr und Baumeister einem Typus entspricht, der sich als archaischer und beständiger als jeder Bautyp erweist.

Candide Nr. 4, 07/2011

Seiten 1–8

Candide No. 4, Scalbert
Candide No. 4, Scalbert

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